Neue Dramatik | Österreich
Mein Lieblingstier heißt Winter
von FERDINAND SCHMALZ
Österreichische Erstaufführung
empfohlen ab 16 Jahren
INSZENIERUNG
Fanny Brunner
BÜHNE, KOSTÜME & PUPPENENTWÜRFE
Daniel Angermayr
SOUND & MUSIK
Alex Konrad
PUPPENSPIELKONZEPT
Katharina Halus
PUPPENBAU
Gerti Tröbinger, Anna Travaglia, Katharina Halus
DRAMATURGIE
Alexander Kratzer
Premiere: Fr., 23. Januar 2026, Studio
Spieltermine: bis 3. März 2026
Dauer: 2 Stunden, keine Pause
Trailer Mein Lieblingstier heißt Winter
Titelfoto: © Valentina Schuster
Produktionsfotos: © Erika Mayer
Franz Schlicht, Tiefkühlkostvertreter aus Wien, erhält einen ungewöhnlichen Auftrag: Sein Kunde Doktor Schauer will sich in einer Tiefkühltruhe einfrieren lassen – doch als Schlicht zur vereinbarten Abholzeit erscheint, ist die Truhe leer. Auf der Suche nach der verschwundenen Leiche begegnet Schlicht einer Reihe bizarrer Figuren – die Grenze zwischen Realität und Absurdität verschwimmt zunehmend. Mit feinem Gespür für das Abgründige zeichnet Ferdinand Schmalz eine ebenso skurrile wie pointierte Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Kälte. Sprachwitz und Lakonie verwandeln die Kriminalgeschichte in eine verstörend-komische Reise durch ein seltsam entgleistes Österreich.
Fanny Brunners Inszenierung wird vom Puppenspiel der Salzburger Schau- und Puppenspielerin Katharina Halus unterstützt. So wie in Schmalz‘ Geschichten das Alltägliche oft ins Absurde kippt, eröffnet auch das Puppenspiel neue Perspektiven auf Wirklichkeit und Wahrnehmung. Denn Puppen dürfen vermeintlich alles: Sie halten uns einen Spiegel vor, sie verführen und entführen uns in andere Welten und können dabei zutiefst menschlich, aber auch absurd, grotesk oder kreatürlich erscheinen.
PRESSESTIMMEN
Drehpunkt Kultur: Pistazieneis und Rehragout tiefgefroren.
„Die Wirklichkeit ist freier noch erfunden als jede Erzählung“, heißt es einmal. Kopfüber hinein also im Schauspielhaus Salzburg in eine Un-Wirklichkeit von Sterbe-Sehnsüchtlern und Leichenfledderern. – Reinhard Kriechbaum
Eiskalt geht es zu, wenn es nicht gerade hitzig dampft aus dem Gulasch-Kochtopf. Franz Schlicht (all die Namen hätten Nestroy einfallen können) ist Lieferant von Gefrorenem, und das kommt Doktor Schauer sehr gelegen. Er plant nämlich einen Selbstmord in der Tiefkühltruhe. Schlicht möge am nächsten Tag seinen Leichnam entsorgen, so Schauers Ansinnen. Läuft blöd: Die Kühltruhe ist leer, der potentielle Selbstmörder verschwunden. Der einfach gestrickte Schlicht macht sich mit Schauers Tochter auf die Suche und wird hineingezogen in einen rätselhaften Kriminalfall. Ein Kommissar ist fast immer da, als Erzähler, Beobachter und Kommentator. Aber er richtet wenig aus. […]
Für die Österreichische Erstaufführung (der Bühnenfassung) haben sich Regisseurin Fanny Brunner und die Schau- und Puppenspielerin Katharina Halus ein grandios-schräges Spektakel ausgedacht, eine Art Totentanz von bizarren Typen, Mummenschanz und Puppen. Ganz unterschiedliche Arten von Maskeraden und Puppen, so unangepasst wie eben die Figurenwelt dieses Autors. […]
Diese Personnage ist in kunterbuntem Maßstab zusammengewürfelt, von handspannen- bis lebensgroß. Kasperltheater und furchteinflößende Grotesk-Masken. Es hat ein perfektes Timing, wie sie alle durcheinander purzeln, sich verstellen und doch ihre schwarzen Seelen aufblättern. Bald ist man gewiss, einen Totentanz vor sich zu haben […]
Mensch und Puppe spielen sich die Seelen aus dem Leib […]
Ist das alles schlüssig? Nein, bei weitem nicht. Aber die verqueren Gedanken von Ferdinand Schmalz und die pointiert-zugespitzte Umsetzung der ambitionierten Truppe machen tierisch Spaß.
– Lesen Sie hier die ganze Kritik.
SN: „Mein Lieblingstier heißt Winter“ im Schauspielhaus Salzburg: Puppen eröffnen österreichische Abgründe. – Magdalena Pichler
Die Bühnenfassung des Debütromans von Ferdinand Schmalz überzeugt mit der Kombination aus Schauspiel und Puppenspiel.
Franz Schlicht liegt lebendig in der Pathologie. Teppichhaft verwobene Handlungsflächen haben den Eisverkäufer in „Mein Lieblingstier heißt Winter“ im Schauspielhaus Salzburg dorthin gebracht. Das erstmals in Österreich aufgeführte Theaterstück beginnt komisch und landet zwischen Abgründen der österreichischen Innenpolitik und der Wiener Freude am Morbiden. Diese bringt der Autor Ferdinand Schmalz mit einem surreal anmutenden und doch mit der Wirklichkeit verwandten Text zum Vorschein. […]
Schrille Puppenspielkunst.
Regisseurin Fanny Brunner arbeitet in der Bühnenfassung seines [Ferdinand Schmalz‘] Debütromans im Team mit Alex Konrad (Sound, Musik) und Daniel Angermayer (Bühne, Kostüme und Puppenentwürfe). Die
österreichisch-wienerische Todesverliebtheit trifft auf Zitherklänge und großflächige Fotografien, die Abgründe aufzeigen. Das alles wird kombiniert mit schriller Puppenspielkunst, die die Surrealität des Textes unterstreicht. […]
Die Gesamtkombination der Elemente in Fanny Brunners Inszenierung spielt an diesem Abend gut zusammen.
– Lesen Sie hier die ganze Kritik.
Dorfzeitung: Die groteske Suche nach einer Leiche – Elisabeth Pichler
Es beginnt eine absurde Reise quer durch die österreichische Gesellschaft und das bei tropischen Temperaturen. […] Die Suche nach Doktor Schauer wird immer grotesker. […] Nur Franz Schlicht (Jan Walter) und die Kommissarin (Elisabeth Kanettis), die sich gerne mit einem Bier beruhigt, zeigen menschliche Züge. Der Rest des Ensembles versteckt sich hinter diversen Puppen und Masken. […]
Die rhythmische Prosa und dialektale Kunstsprache des Autors verleihen dem morbiden Stück einen ganz besonderen Reiz. Wer sich einlässt auf diese bitterböse, glühend heiße Reise durch die österreichische Seele, wird den Winter schnell vergessen und sich bestens unterhalten.
Ferdinand Schmalz, geboren 1985 in Graz, erhielt mit seinem ersten Theaterstück am beispiel der butter 2013 den Retzhofer Dramapreis. Mit einem Textauszug aus Mein Lieblingstier heißt Winter gewann er 2017 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2021 erschien dann unter diesem Titel sein Debütroman, der sowohl für den Deutschen als auch für den Österreichischen Buchpreis nominiert wurde. Das Schauspielhaus Salzburg zeigt eine Bühnenfassung basierend auf der Hörspielfassung des Autors.
Fanny Brunner wurde in Wien geboren, wo sie an der Ballettschule der Österreichischen Bundestheater eine Ausbildung zur Tänzerin absolvierte und an der Universität Wien Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft studierte. Sie schloss an der Universität Zürich ein Post Graduate Studium als Executive Master in Arts Administration ab. Fanny Brunner ist Künstlerische Leiterin des Wiener Performancekollektivs dreizehnterjanuar. Sie inszeniert neue Theatertexte, überschreibt Klassiker und entwickelt eigene Stücke. Alle ihre Stoffe erzählt sie aus feministischer Perspektive. Ihre Arbeit führte sie an Theaterhäuser u.a. in Berlin und Bregenz, Detmold, Frankfurt und Hamburg, Innsbruck, Köln und Marburg, Oberhausen, Regensburg und Potsdam. Zuletzt inszenierte sie JAMES BROWN TRUG LOCKENWICKLER von Yasmina Reza am Landestheater Linz, DIE TOTAL VERJÜNGTE OMA ODER MR. BATS MEISTERSTÜCK von Christine Nöstlinger am Volkstheater Wien und ALICE IM WUNDERLAND von Lewis Caroll an den Vereinigten Bühnen Bozen.
MEIN LIEBLINGSTIER HEISST WINTER von Ferdinand Schmalz ist Fanny Brunners erste Inszenierung am Schauspielhaus Salzburg.

FRANZ SCHLICHT
Jan Walter
KOMMISSARIN
Elisabeth Kanettis
DOKTOR SCHAUER, NORBERT
Katharina Halus
ASTRID SCHAUER, HARALD, EINE KELLNERIN
Almut Schäfer-Kubelka
SCHIMMELTEUFEL, INGENIEUR HUBER, STIMME AUS DEM RADIO
Wolfgang Kandler
FEUERWERKER FABIAN, EIN KIND, KURTL, URBANEK
Noah Löffelberger
DER GATTE VON FRAU DR. BITTER, SÄNGER, ANDREAS‘ LEICHE
Marko Sonkin
FRAU DR. BITTER
Wolfgang Kandler – mit Almut Schäfer-Kubelka, Katharina Halus
POLDI
Katharina Halus – mit Almut Schäfer-Kubelka
ANATOM TULP
Katharina Halus – mit Noah Löffelberger, Almut Schäfer-Kubelka
KERNINGER
Ensemble