Neue Dramatik
[BLANK]
von ALICE BIRCH
Deutsch von Corinna Brocher
Österreichische Erstaufführung
empfohlen ab 16 Jahren
– Am 10. und 17. April findet jeweils im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch mit der Regisseurin Sophia Aurich und dem Ensemble statt. –
REGIE
Sophia Aurich
BÜHNE & KOSTÜME
Martha Pinsker
MUSIK
Friederike Bernhardt
CHOREOGRAPHIE
Campbell Caspary
DRAMATURGIE
Alexander Kratzer
Premiere: Fr., 20. März 2026, Studio
Spieltermine: bis 19. April 2026
Dauer: 2 Stunden, keine Pause
Content Note
Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass in diesem Stück unter anderem sensible Inhalte wie Alkohol- und Drogenkonsum, Suizid, Mobbing sowie Tod und Sterben thematisiert werden.
Sujetfoto: © Valentina Schuster
Produktionsfotos: © Erika Mayer
[BLANK] ist ein kraftvolles Kaleidoskop aus einhundert scheinbar unzusammenhängenden frei kombinierbaren Szenen – eine szenische Versuchsanordnung, die sich im Kontext familiärer Konstellationen episodisch um Verbrechen, Strafe und die Hoffnung auf ein Danach dreht. Alle Figuren geraten in die Mühlen eines Systems, das kaum auf Heilung, sondern auf Verwaltung setzt. Gewalt gebiert Gewalt, Sprachlosigkeit trifft auf institutionelles Versagen. Und dennoch: Da sind auch Nähe, Zärtlichkeit, schwarzer Humor – und der unerschütterliche Wunsch, dem ewigen Kreislauf von Gewalt und Missbrauch zu entkommen. Zwischen Psychorealismus und Fantastik, Sprachwucht und Stillstand entstehen intensive Figuren im Zustand der Katatonie, tief verstummt und zugleich radikal laut. Es entwickeln sich Verbindungen und Kreuzungen zwischen den variierenden Geschichten und ihrer Figuren. Doch alle eint ein Blick auf das Menschsein, die Suche nach gesellschaftlichem Zusammenhalt und die Hoffnung auf Veränderung.
Sophia Aurich wird sich mit ihrem feinen Gespür für emotionale und abgründige Nuancen mit dem kraftvollen, vielschichtigen Text von Alice Birch beschäftigen.
PRESSESTIMMEN
WHAT I SAW FROM THE CHEAP SEATS: Mix’n’Match am Schauspielhaus
– Veronika Zangl
Modern und düster: Die Szenenauswahl von Sophia Aurich für [BLANK] evoziert ein Schauspiel, das sich wie ein Reigen immer weiterdreht.
Was so einfach klingt, ist eine Herausforderung, an der vorangegangene Inszenierungen scheiterten. An ihnen wurde der fehlende rote Faden bemängelt, was bei 100 losgelösten Episoden durchaus nachvollziehbar erscheint. Umso schöner, wie Sophia Aurich (Regie) diesen Fauxpas für Salzburg elegant umschifft. Dafür dröselte die Regisseurin das Spiel auf und verstreut die einzelnen Szenen über das ganze Stück, um die Enden immer wieder aufzugreifen und weiterlaufen zu lassen. Damit kreierte sie ein buntes und zugleich düsteres [BLANK]-Potpourri, das das Publikum abholt und mitnimmt.
[…] Übersetzt bedeutet der Titel [LEER], dementsprechend wird auf der Bühne vieles angedeutet und nicht alles ausgesprochen. Das Schauspielquartett mit Sophia Fischbacher, Lucas Riedle, Christina Tzatzaraki und Salome Zehnder jongliert dafür mit den diversen Eigenheiten ihrer höchst unterschiedlichen Figuren und kreiert ein düsteres Kaleidoskop aus Eigenheiten, die sich je nach Mini-Szene überstülpen lassen.
Körpersprache und Mimik sind die Mittel von Lucas Riedle. Ein kurzer Griff zur Nase genügt, und aus dem Erwachsenen wird ein Kind, wenig später steht ein kontrollierter Ermittler auf der Bühne. Salome Zehnder bewegt sich zwischen aggressiver Abwehr und verletzlicher Abhängigkeit, Christina Tzatzaraki setzt auf leise Empathie und ruhige Präsenz, während Sophia Fischbacher eine dokumentarisch wirkende Distanz zeigt, hinter der sich persönliche Brüche andeuten. Vier Spieler*innen, die nicht Figuren darstellen, sondern Zustände verkörpern.
Bühnenbild und Kostüm verstärken diesen Eindruck. Schwarzflächen, ein verlassener Spielplatz mit Klettergerüst, eine heruntergefallene Eistüte und ein Karussell, das eher Stillstand als Bewegung symbolisiert. Ein Ort, der gleichzeitig Kindheit und Verfall, Großstadt und Einsamkeit in sich trägt. Beleuchtung, Musik und Choreografie verbinden die Szenen, ohne sie zu erklären. Übergänge entstehen eher atmosphärisch als logisch (Bühne und Kostüme: Martha Pinsker, Musik: Friederike Bernhardt, Choreografie: Campbell Caspary).
[…] Am Ende entsteht ein erstaunlich geschlossenes Drama, das dennoch Unruhe, Beklemmung und gelegentlich auch eine trockene, böse Ironie ausstrahlt. [BLANK] ist vieles, aber sicher nicht leer.
– Lesen Sie hier die ganze Kritik.
DrehPunktKultur: Heftiges Theater zum selber Denken – Heidemarie Klabacher
Aus hundert frei wählbaren Szenen besteht das Stück [BLANK] der britischen Dramatikerin Alice Birch. 19 davon hat die Regisseurin Sophia Aurich in einen Reigen verstörender Momente im Umfeld von Beziehung und Familie, Vernachlässigung und Gewalt geflochten. Eine klug erdachte und – bei allen verhandelten Problemen – anregende Produktion.
Sophia Fischbacher, Christina Tzatzaraki, Lucas Riedle und Salome Zehnder teilen all diese Figuren und die Rollen unter sich auf. Sie überzeugen als Erwachsene, wie als Jugendliche mit größter darstellerischer Intensität. Es ist eine grundsätzlich eher leise Produktion, die Emotionen kochen unter Hochdruck.
Schier unerträglich die zunächst märchenhaft anmutende Geschichte vom sehr kleinen Mädchen in der Streichholzschachtel, das sich danach sehnt aufhören können zu sein, „damit sie zu Nichts werden könnte“. Tragisch die realistische Szene einer Mutter, die – nachdem sie ihrer süchtigen und diebischen Tochter weitere Hilfe verweigert hatte – vom Tod ihres Kindes erfährt. Erschütternd die Reaktion einer Jugendlichen angesichts des unbekannten Toten im Park. Wenn sie tot wäre und einer ihre Haare streichelte und ein Gedicht aufsagte oder ein Gebet spräche, sinniert sie, „ich glaube ich hätte dann Frieden“.
Mitsamt dazwischen hüpfendem Hasen ein anspruchsvoller, überaus bewegender Abend.
– Lesen Sie hier die ganze Kritik.
Dorfzeitung: [BLANK] – Die Familie als Keimzelle der Gewalt
– Elisabeth Pichler
Sophia Fischbacher, Lucas Riedle, Christina Tzatzaraki und Salome
Zehnder treten manchmal unter ihrem eigenen Vornamen und dann wieder unter diversen Phantasienamen auf. Sie alle wechseln gekonnt zwischen den unterschiedlichsten Rollen, werden mal zum Täter, dann wieder zum Opfer.
Die Welt, die Alice Birch in [BLANK] skizziert, wobei Worte in eckigen Klammern nicht gesprochen werden, also [LEER], ist eine endlose Spirale der Gewalt. Die brutale Sozialstudie wurde von Sophia Aurich mit großer Intensität in Szene gesetzt und lässt wohl niemanden kalt.
– Lesen Sie hier die ganze Kritik.
Alice Birch ist eine britische Dramatikerin und Drehbuchautorin, die für ihre innovativen und kraftvollen Theaterstücke bekannt ist. Sie hat sich einen
Namen gemacht durch Werke, die gesellschaftliche Abgründe, menschliche Beziehungen und emotionale Tiefe erforschen. Birchs Werk ist gezeichnet von einer außergewöhnlich präzisen Sprache und der Fähigkeit, komplexe Charaktere auf eindrucksvoll radikale Weise darzustellen. Ihre Stücke wurden sowohl in Großbritannien als auch international aufgeführt und erhielten zahlreiche Auszeichnungen.