Österreich I Vergessener Diamant I Klassiker Today
Automatenbüfett
von ANNA GMEYNER
empfohlen ab 14 Jahren
REGIE
Sophia Aurich
BÜHNE
Martha Pinsker
KOSTÜME
Lara Marie Kainz
MUSIK
Friederike Bernhardt
DRAMATURGIE
Julia Thym
Premiere: Do., 18. September 2025, Saal
Spieltermine: bis 19. Oktober 2025
Dauer: 2:25 Stunden, inkl. Pause
abgespielt
Titelfoto: © Valentina Schuster
Produktionsfotos: © Erika Mayer
Kalte Automatenwärme, gescheiterte Existenzen, politische Fanatiker, verlorene Träumende – im Automatenbüfett offenbart sich ein faszinierender Mikrokosmos der Zwischenkriegszeit, ein Spiegelbild einer Gesellschaft am Rande der Veränderung. Hier spielen sich die Dramen und Machtkämpfe eines kleinen Dorfes ab. Die fremde Eva kommt in ein Geflecht aus sozialen Spannungen, unerfüllten Träumen und zerbrechlichen Beziehungen und übt sofort einen großen Einfluss auf die Männerrunde aus, die allesamt Opfer und Täter zugleich sind.
Im vollkommen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Volksstück Automatenbüfett entwirft die Österreicherin und Chronistin ihrer Zeit Anna Gmeyner als scharfe Beobachterin ihrer Zeitgenoss:innen eine bissige Satire von überwältigender Hellsichtigkeit. Gut 100 Jahre nach seiner Entstehung wird sich Sophia Aurich bei ihrem Einstand am Schauspielhaus dem Motiv der gesellschaftspolitischen Veränderung sowie der schlagend aktuell wirkenden Handlung und der frappierenden Figuren dieses österreichischen Dramas widmen und bringt das lakonische Volksstück bildgewaltig als Ensemblestück auf die Bühne.
PRESSESTIMMEN
„Hinterhältigkeit, Gier und Lüge regieren die Welt im Kleinen und im Großen. Und weil das so viel mit der Gegenwart zu tun hat, lohnt sich ein Besuch im Schauspielhaus Salzburg beim Stück „Automatenbüfett“. […]
Zwischen Überzeichnung und trauriger Wahrhaftigkeit agiert das Ensemble recht souverän. Und es gelingt, deutlich zu machen, wie keiner der Sätze des Stückes an Bedeutung eingebüßt hat, seit er geschrieben wurde. Im Gegenteil. […]
Doch wie die Kleider der Akteure beim Waten und Stampfen immer mehr durchnässen, wird das zu einem perfekten Bild für den Untergang, dem man beiwohnt. In diesem Mikrokosmos aus Gier und Betrug, Hinterhältigkeit und Boshaftigkeit, aus berechnendem Liebesgetue und erschreckender Naivität steht allen das Wasser bis zum Hals. […] Manchmal aber spritzt sich alles zu, dann wird auch schauspielerisch brilliert.[…]
Nach zwei Texten von Heiner Müller als beinhartem Epilog – sitzt das Publikum, […] vor einem Schlachtfeld aus kaputten Menschen. Ein Trümmerhaufen zwar, aber lohnenswert, ihn sich als Schauspiel anzusehen.“
SN: Die Mensch-Zerstörung erledigt der Nahversorger im Dorf
„Es fehlt nicht an Pointen, über die man bei aller Tristesse herzhaft lachen kann. […]
Sehr genau dafür die psychologische Zeichnung der Hauptfiguren. Rührend, wenn Frau Adam, wiewohl längst Pankraz auf den Leim gegangen, noch einmal nach der Hand ihres Ehemanns greift. So grell, bizarr, skurril diese Leute sich aufführen – es sind dann doch Charaktere aus Fleisch und Blut, mit denen man Mitleid, für die man gelegentlich sogar Sympathie empfindet.[…]
Wie ein Katalysator wirkt [Leonie Berner als Eva] in dieser Menschengruppe mit unerfüllten und unerfüllbaren Hoffnungen. Witzig der Odachlose Puttgam (Elisabeth Kanettis, die sich auch an den Synthesizer setzt und für die Livemusik sorgt) – der brotlose Künstler ist vielleicht gar besser dran als die vermeintlich „bürgerlichen“ auf der Verliererstraße. Ambitioniert das weitere Ensemble (Sophia Fischbacher, Fabian Cabak, Angie Mastoraki, Michael-Lorenz Brandner), das in der zwischen Expressivität und Groteske pendelnden Inszenierung eher nicht zur Zurückhaltung angehalten ist.“
DrehpunktKultur: Ein Pandämonium der Glücklosen
Anna Gmeyner, 1902 in Wien geboren, war Zeit ihres Lebens wie auch einige ihrer Bühnenheldinneneine autonome Außenseiterin. Im Berlin der Weimarer Republik arbeitet sie als Dramaturgin für Erwin Piscator und war Teil der künstlerischen Avantgarde. 1932 gelingt ihr mit Automatenbüfett, welches seine Vorlage an der Berliner Friedrichstraße hatte und inspiriert vom technischen Fortschritt sowie dem reaktionären Bürgertum war, ein Überraschungserfolg. Ihre Heldin Eva verkörpert unbedingte Freiheit, doch bleibt auch sie eine Fremde und Person des Transits, wie Anna Gmeyner selbst, die kurz darauf vor den Nazis ins Pariser Exil fliehen musste.
EVA
Leonie Berner
FRAU ADAM
Elisabeth Nelhiebel
STADTRAT
Sophia Fischbacher
PUTTGAM
Elisabeth Kanettis
ADAM
Wolfgang Kandler
APOTHEKER / BOXER
Fabian Cabak
PANKRAZ
Lucas Riedle
REDAKTEUR ARENDT
Angie Mastoraki
OBERFÖRSTER
Michael-Lorenz Brandner