Schauspielhaus Salzburg
NIEMAND
 

NIEMAND

Ödön von Horváth


Regie: Rudolf Frey
Bühne: Vincent Mesnaritsch
Kostüme: Elke Gattinger
Premiere: Do. 15. März 2018, Saal
Dauer: 2:35 Stunden, inklusive Pause (nach ca. 1:10 Stunden)
Spieltermine bis 23. April 2018


„Nichts wird erlöst! denn nichts kann sich loslösen aus dieser Erde ...“

Sujetfoto: Chris Rogl


NIEMAND

Niemand ist unersetzlich. Der eine kommt, der andere geht. So ist es auch im Zinshaus des Fürchtegott Lehmann. Der verkrüppelte Hausbesitzer und Pfandleiher ist an seine Wohnung gefesselt, da er die Stiegen nicht alleine bewältigt. Von seinen Mietern wird er gemieden, denn er gilt als raffgierig und unbarmherzig. Dem Geiger Klein aus dem Dachgeschoss, der seine Miete nicht bezahlen kann, droht er mit Delogierung. Eines Tages steht die junge Ursula im Treppenhaus. Das verzweifelte Mädchen will zur Dirne Gilda, denn sie sieht in der Prostitution ihren einzigen Ausweg. Doch bevor sie den entscheidenden Schritt tun kann, trifft sie den gefürchteten Hausbesitzer. Er lädt sie zu sich in den ersten Stock ein, Ursula bleibt und die beiden heiraten. Lehmann hat sie vor einer trostlosen Zukunft gerettet und Ursula hat ihn vor der Einsamkeit bewahrt. Nun will Lehmann ein guter und großzügiger Mensch werden. Doch das Schicksal kümmert sich nicht um solche Sinneswandlungen.

Horváth zeichnet einen surrealen Reigen: Nicht nur Dirnen, Kellnerinnen und Ganoven werden mit einem Wimpernschlag ausgetauscht, auch im bürgerlichen Leben übernimmt im Nu einer die Rolle des anderen. Ausweglos scheint der Lauf der Welt, niemand ist gerecht, niemand hat Mitleid, niemand kann etwas dafür, niemand hilft, niemand lebt ewig.

„Niemand“ ist Horváths jüngst veröffentlichtes Theaterstück. Bisher war es in Privatbesitz und schien in den Werkverzeichnissen nicht auf. Im Jahr 2015 hat die Wienbibliothek das Werk erstanden und veröffentlicht. Nach dem Theater in der Josefstadt und dem Landestheater Linz zeigt das Schauspielhaus Salzburg das lange verschollene Horváth-Stück. Der Text aus dem Jahr 1924 gehört zu seinem Frühwerk, bereits damals bearbeitete er seine späteren Hauptthemen, doch hier unterfüttert mit einer surrealen und phantastischen Ebene.

ÖDÖN VON HORVÁTH

Der österreichisch-ungarische Schriftsteller Ödön von Horváth zeichnete sich schon früh durch seine gesellschaftskritischen Texte aus. Seinen Durchbruch erlebte er mit „Geschichten aus dem Wiener Wald”, das heute zu seinen meistgespielten Stücken gehört. Texte wie „Glaube Liebe Hoffnung”, „Kasimir und Karoline” sowie seine zeitkritischen Romane „Jugend ohne Gott” und „Ein Kind unserer Zeit” gehören bis heute zum literarischen Kanon.

Die Besetzung

Klein   Jonas Breitstadt
Gilda   Susanne Wende
Ursula   Kristina Kahlert
Hausmeisterin   Daniela Enzi
Fürchtegott Lehmann   Theo Helm
1. Mann, Schreinermeister, Uralter Stutzer   Olaf Salzer
2. Mann, Malermeister, 2. Detektiv   Frederic Soltow
3. Mann, Glasermeister, 1. Detektiv   Lukas Bischof
4. Mann, Fremder (Kaspar)   Simon Jaritz
Konditor, Der große Wirt   Marcus Marotte
Wladimir   Bülent Özdil
Kellnerin   Juliane Schwabe
Die Nachfolgerin, Backfisch   Agnes Herrlein
uralte Jungfrau   Julia Gschnitzer

Regie   Rudolf Frey
Bühne   Vincent Mesnaritsch
Kostüme   Elke Gattinger
Licht   Marcel Busa
Dramaturgie   Christoph Batscheider
Regieassistenz   Verena Holztrattner